Hintergrund zum Hochschulstreit: Das Brandenburgische Mittelverteilungsmodell

Wie finanziert sich eigentlich eine Hochschule in Brandenburg? Natürlich ist dieses Thema in seiner Gänze zu kompliziert, um es in ein paar wenigen Absätzen abhandeln zu können. Wir kristallisieren einmal die wesentlichen Eckpunkte heraus

Wie finanziert sich eigentlich eine Hochschule in Brandenburg? Natürlich ist dieses Thema in seiner Gänze zu kompliziert, um es in ein paar wenigen Absätzen abhandeln zu können. Wir kristallisieren einmal die wesentlichen Eckpunkte heraus:

Vereinfacht bekommt eine Brandenburger Hochschule – das kann also eine Fachhochschule oder eine Universität sein – aus einem gemeinsamen Topf für jeden Studierenden in der Regelstudienzeit und jede Professur eine finanzielle Grundzuweisung. Anhand der Studierendenzahlen werden dabei 70 Prozent der für die Hochschulen zur Verfügung stehenden Mittel verteilt. Die Professuren, wobei es hier Abstufungen gibt, bestimmen weitere 20 Prozent der Mittelverteilung. Etwa 10 Prozent werden je nach Erreichen bestimmter Ziele wie beispielsweise Anzahl der Promotionen, Drittmittel und Frauenquote über einen Schlüssel verteilt.

Technische und naturwissenschaftliche Studiengänge sind naturgemäß deutlich teurer als geisteswissenschaftliche. Um Studierende beispielsweise mit einem Laser experimentieren zu lassen, braucht man nun mal einen teuren Laser. Auch sind diese Studiengänge eben durch kleinere Übungsgruppen, Laborpraktika usw. deutlich personalintensiver.

Das Brandenburger Mittelverteilungsmodell „bestraft“ momentan solche technische Fächer, da sie keine großen Mengen Studierender anziehen, und zwingt Universitäten und Hochschulen in einen Konkurrenzkampf um Studienanfänger in beliebten und preiswert zu realisierenden Fächern. Das macht sich unter anderem darin bemerkbar, dass es in einem Fach wie Betriebswirtschaftslehre ein Überangebot gibt.

Geld gibt es vor allem für Studierende und Professoren, deswegen müssen frei werdende Professuren rasch neu besetzt werden. Dies führt auch dazu, dass Gelder für Stellen im akademischen Mittelbau, also Doktoranden und promovierte Wissenschaftler, fehlen. Der Mittelbau leistet den Großteil der Lehre und Forschung.

Das Mittelverteilungsmodell wirkt zudem hemmend für den Aufbau von intensiveren Kooperationen zwischen den um die Töpfe konkurrierenden Hochschulen im Land Brandenburg und verhindert Innovationen, wie auch bereits seit Jahren der Landeshochschulrat anmahnt [1].

Das Mittelverteilungsmodell ist dringend überarbeitungsbedürftig und stellt einen wesentlichen Grund für die Fehlentwicklungen in der Brandenburgischen Hochschullandschaft dar. Hier muss das Ministerium anpacken und nicht voreilig und mit Hang zum wagnisreichen Experiment Hochschulen schließen, fusionieren und eröffnen!
[1] http://www.landeshochschulrat.brandenburg.de/sixcms/media.php/4055/gesamter_taetigkeitsbericht.pdf


Kommentare

Ein Kommentar zu Hintergrund zum Hochschulstreit: Das Brandenburgische Mittelverteilungsmodell

  1. fj schrieb am

    Weitere Ausführungen gibt’s bei Friedemann Kemms Blog „btuinsider“.

    Ganz unberücksichtigt bleibt der höhere Aufwand in technischen Fächern nicht, das wird mit den sog. Cluster gemacht. Allerdings reicht diese Gewichtung für eine ordentliche Finanzierung nicht aus.

    Das Hauptproblem ist aber sicher der Wettbewerb um Studentenzahlen (wer „nur“ konstant bleibt, verliert) und Professurenstellen (wer wenige aber ordentlich ausgestattete Professuren haben möchte, wird „bestraft“).

    Wer genauer wissen will wie das MWM funktioniert: Prof. Hipp erklärt in ihrer Einführung in das MVM etwas detaillierter, wie die Zuweisungen aufgeteilt werden.

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